Vedutenmalerei, Klokgevel 1670, (Kursiv geschriebene Abschnitte beinhalten KI Recherche)
Dieses kleine kolorierte Bild wurde mir mitgegeben, da der schmale Goldrahmen an mehreren Stellen Stuckabplatzungen aufwies.
Der vergoldete Rahmen stammt mit sehr hoher Wahrscheinlichkeit aus einer neueren Zeit (2. Hälfte des 20. Jahrhunderts oder später) und nicht aus der Entstehungszeit des Bildes.
Das Bild ist mit einem selbstklebenden Papierband fest mit Passepartout und Glas verbunden. Der Papierstreifen zum Glas ist in der Hälfte der Strecke abgelöst, so dass trotz der dichten Verklebung Schmutzpartikel zwischen Glas und Bild eindringen konnten.
Dieses Vorgehen beschreibt ein
sogenanntes „staubdicht verklebtes Paket“, bestehend aus Glas, Passepartout,
Bild und Rückwand. Diese spezielle Art der Rückseitenversiegelung lässt
folgende Rückschlüsse auf das Alter zu: [1]
Einordnung des Klebestreifens
- Material und Beschaffenheit: Es handelt sich um ein klassisches, braunes Nassklebeband (ein gummiertes Papierband, das zum Aktivieren des Klebstoffs mit Wasser befeuchtet werden muss). [2]
- Zeitliche Einordnung: Diese Methode, das gesamte Bilder-Paket umlaufend mit Nassklebeband staubdicht zu versiegeln, kam vor allem in der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts (vermehrt ab den 1960er bis in die 1980er Jahre) im professionellen Handwerk und im gehobenen Do-it-yourself-Bereich zum Einsatz. [1, 3]
- Abgrenzung zu älteren Methoden: Vor den
1950er/1960er Jahren wurden Rückwände meist direkt im Holzrahmen mit
kleinen Stiften (Nägeln) fixiert und – wenn überhaupt – nur grob mit
dickem, leimgetränktem Packpapier überklebt, um Holzsplitter abzudecken.
Ein so sauber gefaltetes, direkt auf der Glaskante sitzendes Papierband
spricht eindeutig für die moderne Nachkriegszeit. [3]
Bei dem Bild handelt es sich
aller Wahrscheinlichkeit nach um kolorierte Tusche- oder Graphitzeichnung.
Aufgrund der Nahaufnahmen ist ein Druckverfahren ausgeschlossen. Die schwarze
Farbe ist sehr unregelmäßig aufgetragen und nur auf den Erhöhungen des Papiers
erkennbar. Die Unregelmäßigkeit der Farbpigmente im Randbereich spricht
ebenfalls für eine Handkolorierung, da sie durch das Trocknen von Aquarellfarbe
oder Tusche entsteht.
- „Klokgevel 1670“: Das Jahr 1670 passt architektonisch perfekt zur Blütezeit des Amsterdamer Barocks. In dieser Epoche lösten die elegant geschwungenen Glockengiebel (Klokgevels) die älteren, treppenförmigen Stufengiebel (Trapgevels) ab. Das Gebäude fängt somit das typische Straßenbild des niederländischen Goldenen Zeitalters ein.
- „Buiten Wieringenstr. 2 A´dam C“: Die Abkürzung A'dam C ist die historisch absolut geläufige Schreibweise für Amsterdam Centrum. Das gezeigte Eckhaus ist, wie beschrieben, ein registriertes niederländisches Rijksmonument.
Die kleineren Schäden am Goldrahmen wurden zunächst mit
verdünntem, eingefärbtem Leim eingestrichen, um ein weiteres Abblättern zu
vermeiden. Mittels lufttrocknender Modelliermasse konnte ich die Defekte schließen
und mit Goldwachs der Umgebung anpassen.
Die auf dem Papier befindlichen Stock- und Wasserflecken musste ich belassen.
Fehlendes Fachwissen und erforderliche Technik rechtfertigen keine Experimente.
Das Glas wurde gereinigt und dann wieder mit säurefreiem Papierklebeband fest
mit Bild und Passepartout verbunden.
Die Flecken auf Ihrer Amsterdamer Grafik zeigen zwei
völlig unterschiedliche Schadensbilder, die typisch für gealterte Arbeiten auf
Papier sind. [1]
Ursachen der Flecken
- Die dunklen Flecken (Foxing / Stockflecken):
- Ursache: Es handelt sich um ein Phänomen namens Foxing. Diese rostbraunen Flecken entstehen durch eine Kombination aus mikroskopisch kleinem Schimmelpilzbefall und winzigen Metalleinschlüssen (Eisen), die sich herstellungsbedingt im Papierbrei befanden. Wenn das Bild über Jahre hinweg in feuchter oder stehender Luft hing (z. B. im Flur oder Keller), fangen diese Metallpartikel an zu oxidieren (rosten), und die Pilzsporen breiten sich kreisförmig aus. [1, 2, 3]
- Die hellen Flecken (Ausbleichungen / Wasserschäden):
- Ursache: Diese auffälligen weißen Kreise und Halos entstehen meist durch lokale Wasserspritzer oder kondensierte Feuchtigkeitströpfchen, die sich auf der Innenseite des Glases gebildet haben und auf das Papier getropft sind. Das Wasser hat die im alten Papier sitzenden Säuren, Klebstoffe und oberflächlichen Schmutzpartikel nach außen gedrängt (Kapillareffekt). Dadurch ist das Papier im Zentrum des Tropfens nun quasi „sauberer“ oder gebleichter als der restliche, gleichmäßig nachgedunkelte Papierhintergrund. [3, 4, 5, 6, 7]
Die professionelle Behandlung:
Der prof. Restaurator nimmt das Bild aus dem Rahmen, testet die Wasserlöslichkeit der Aquarellfarben an winzigen Stellen und unterzieht das Blatt dann einem kontrollierten wässrigen Reinigungsbad oder einer Kapillarwäsche. Dabei werden Schmutzstoffe und Säuren aus den Papierfasern geschwemmt. Häufig schließt sich ein extrem mildes, strukturschonendes Lichtbleich-Verfahren oder eine Neutralisierung an, wodurch die braunen Flecken verblassen und sich der Kontrast zwischen den hellen Wasserflecken und dem restlichen Papier wieder harmonisch angleicht.
Der prof. Restaurator nimmt das Bild aus dem Rahmen, testet die Wasserlöslichkeit der Aquarellfarben an winzigen Stellen und unterzieht das Blatt dann einem kontrollierten wässrigen Reinigungsbad oder einer Kapillarwäsche. Dabei werden Schmutzstoffe und Säuren aus den Papierfasern geschwemmt. Häufig schließt sich ein extrem mildes, strukturschonendes Lichtbleich-Verfahren oder eine Neutralisierung an, wodurch die braunen Flecken verblassen und sich der Kontrast zwischen den hellen Wasserflecken und dem restlichen Papier wieder harmonisch angleicht.